Dominik Labonté, Konditions- und Athletiktrainer bei der Eintracht und mit Eike befreundet, leistete reichlich Überzeugungsarbeit. Im Jahr 2015 gelang es ihm letztendlich, den damaligen Coach von Bergen-Enkheim, der dort eine Tennisschule leitete, zur Eintracht zu lotsen. Er wurde zunächst als Verantwortlicher für den Unterbau der ersten Herren installiert, zwischendurch trainierte er die Juniorinnen und ersten Damen, ehe er wieder in den männlichen Bereich zu den Herren und U18-Junioren wechselte. Schon von Beginn an bis heute trainiert er hoffnungsvolle Talente. So war seine Entscheidung, im Mai 2024 als Jugendleiter bei der Eintracht zu kandidieren für ihn nur der logische nächste Schritt. Im Interview spricht Eike Matthies nun über seine Motivation, dieses Ehrenamt zu übernehmen, die Herausforderungen des Amtes und seine Ziele.
Was war Deine Motivation, Dich für das Amt des Jugendleiters aufstellen zu lassen?
Meine Motivation war vor allem, in einer Krisensituation gemeinsam mit einem neuen, jungen Team die Probleme des Vereins aufzufangen und die Abteilung wieder in ruhigere Fahrwasser zu bringen. Außerdem möchte ich durch langfristige Innovationen den Jugendbereich weiterentwickeln.
„Talente besser erkennen und fördern durch einheitlichere Standards“
Eike Matthies, Jugendleiter
Du bist Trainer der ersten Herren, die in der 2. Bundesliga spielen. Warum liegt dein Fokus dennoch auf der Jugend und nicht im Leistungsbereich?
Dominik ist durch seine Tätigkeit als Konditrainer besser für den Leistungsbereich geeignet, weil er den Abstand zu den Spielern und den Teams hat. Ich bin als Trainer zu nah dran. Außerdem liegt ohnehin schon 90 Prozent meiner Tätigkeit im Jugendbereich, deshalb lag es für mich nahe, dort Verantwortung zu übernehmen.
Was waren die größten Herausforderungen in den ersten Monaten als Jugendleiter?
Die wichtigste Aufgabe war, Strukturen aufzubauen – sowohl im Jugend- als auch im Leistungsbereich. Es geht darum, klare Zuständigkeiten zu schaffen, damit jeder in seinem Bereich eigenständig arbeiten und Entscheidungen treffen kann, ohne jede Kleinigkeit absprechen zu müssen.
Welche Herausforderungen gab es speziell im Jugendbereich?
Aufgaben wie Trainingspläne entwickeln oder Gruppeneinteilungen festlegen übernimmt nach wie vor Denis [Denis Nelidov; Anm. d. Red.], der diese hervorragend erledigt. Da halte ich mich raus. Mein Fokus lag darauf, bei den Jüngsten mehr Struktur und Homogenität in die Gruppen zu bringen. Jede Trainerin bzw. jeder Trainer hatte bisher eigene Vorstellungen, wie Kinder zu guten Tennisspieler:innen entwickelt werden. Mein Ziel ist es, einheitlichere Standards zu schaffen, um Talente besser zu erkennen und gezielter zu fördern.
Wie sieht das neue Jugendkonzept aus?
Wir haben uns entschieden, das Talentinos-Konzept des Deutschen Tennis Bundes zu übernehmen. Unsere Trainer:innen erhalten einen Rahmen, inner- halb dessen sie ihr Training frei gestalten können. Es gibt vorgegebene Ziele, die die Kinder nach einem halben Jahr erreichen sollten, wie beispielsweise bestimmte Schläge ausführen zu können. Nach einem halben Jahr wird der Leistungsstand der Kinder überprüft und die Gruppen werden neu eingeteilt, um möglichst homogene Trainingsgruppen zu schaffen. Das Konzept gilt für Kinder von sechs bis zwölf Jahren.
Was ist das Besondere am Talentinos-Konzept?
Das Konzept beinhaltet kleine Hefte für die Kinder, in denen sie ihre Fortschritte dokumentieren. Für bestandene Aufgaben bekommen sie Sticker, was sich sehr motivierend auf sie auswirkt. Die Tests können flexibel gestaltet werden, ohne Druck für die Kinder – sie können auch zum Beispiel als versteckte Tests im Training durchgeführt werden.
Neben dem Talentinos-Konzept wird es zukünftig das Konzept „Adler Tennis Kids Ballschule“ für Kinder unter sechs Jahren geben …
Genau, für diese Altersgruppe wollen wir eine Ballschule etablieren. Einige junge Trainer:innen haben bereits eine entsprechende Ausbildung an der Heidelberger Ballschule absolviert. Die Ballschule wird vor Ort mit maximal 20 Kindern und zwei Trainer:innen pro Einheit stattfinden. Ziel ist es, grundlegende Fähigkeiten und Fertigkeiten zu vermitteln, um den Einstieg ins Tennis zu erleichtern.
Wie erfolgt die Umsetzung und Werbung für die Ballschule?
Wir werden unsere Social Media-Plattform nutzen. Die Anmeldung zur Ballschule läuft über die App „Eversports“, über die freie Plätze gebucht werden können. Die konkrete Umsetzung stimmen wir mit dem Verein ab.
Welche Ziele verfolgst Du als Jugendleiter?
Mir ist es wichtig, dass die Kinder motiviert sind und Spaß am Sport haben – unabhängig vom Leistungsniveau. Ziel ist es, durch mehr Struktur und einheitliche Standards die Entwicklung der Kinder zu fördern und möglichst viele für den Leistungsbereich zu gewinnen, ohne dabei den Spaß aus den Augen zu verlieren.



